Leserbrief: Positive Ansätze reichen nicht aus

Das Fahrrad wurde bisher nicht nur regional stiefmütterlich behandelt. Mosbach zum Beispiel: Nach Informationen des Umweltbundesamtes ist jede zweite Autofahrt kürzer als 5 km. Würde ein Drittel dieser kurzen Fahrten zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt, führte das zu einer Einsparung von 2,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Eigentlich Grund genug um der Förderung des städtischen Radverkehrs höchste Priorität einzuräumen, gerade in Mosbach, wo mangelnder Parkraum ja ein Dauerthema ist.

Doch wie sieht es in Wirklichkeit aus? Beim ADFC-Fahrradklimatest erreichte Mosbach in Baden-Württemberg im Vergleich mit 39 Städten unter 100.000 Einwohnern einen wenig schmeichelhaften viertletzten Platz. Die Infrastruktur ist an zahlreichen Stellen verbesserungsfähig, marode, unzusammenhängend und gefährlich. Nehmen wir z.B. die neugestaltete Sparkassenunterführung: Da werden steilste Rampen installiert, über die ein trainierter Erwachsener sein Rad vielleicht schieben kann – von einem Kinderwagen ganz zu schweigen, Kinder oder Ältere aber nur unter Schwierigkeiten. Ich denke an die Unterbrechung des Elzuferweges an der Bleichwiese mit der Begründung, die direkte Wegführung am Ufer sei wegen der Bebauung nicht mehr möglich. Lustig, da in Berlin selbst das Bundeskanzleramt von der Spree abrücken musste, um Radfahrern und Fußgängern einen Weg am Ufer einzuräumen.

Mir fällt auf, dass es in der Innenstadt kaum geeigneter Fahrradabstellmöglichkeiten zum Anschließen gibt. An den Bahnhöfen fehlt es an andernorts üblichen Containern um hochwertige Fahrräder sicher einzuschließen. Die bauliche Lösung des Fahrradstreifens in der Pfalzgraf-Otto-Straße, der am Media-Markt über Rampen auf den Gehweg führt, ist nicht nur für Fahrradfahrer ein Graus, sondern hat auch schon manchen PKW-Lenker unliebsam überrascht. Die zusammengestückelte Kombination aus Rad- und Fußweg entlang der B27 / Neckarelzer-Straße zwischen Schillerstraße und Chateau-Thierry-Platz führt zu Dauerkonflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern. Das v.a. für Familien erschlossene Baugebiet „Im Mittel“ ist für fahrradfahrende Kinder nicht verkehrssicher angeschlossen.

Sicherlich: Es gibt jetzt (vielleicht) Geld für einen Radweg an der Mosbacher Straße, ich aber frage mich, ob die geplanten 1,8 km auch irgendwo angebunden werden. Oder endet auch dieser Weg wie anderswo im Nichts? Wir brauchen trotz einzelner positiver Ansätze ein Verkehrskonzept in Mosbach, das Radfahrer und Fußgänger nicht als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse behandelt, sondern deren Bedürfnisse im Gegenteil konsequent in den Vordergrund stellt. Denn am Ende haben alle etwas davon: Der innerstädtische Verkehr wird um Lärm und Gestank entlastet, wir verbrauchen weniger Platz und Geld für Parkplätze, steigern nebenbei den Lebenswert unserer Stadt und gehen ökologisch einen richtigen Schritt um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Andreas Klaffke